Bota­ni­scher Gar­ten Schel­l­er­hau: Pflanze des Monats

Pflanze des Monats

Mai 2019: Alpen-Trod­del­blume Sol­d­anella alpina L.

Soldanella alpina
Sol­d­anella alpina

Aus der Fami­lie der Pri­mel­ge­wächse (Pri­mu­la­ceae). Tri­vi­al­na­men des Früh­jahrs­blü­hers sind auch Alpen­glöck­chen, Alpen-Sol­d­anelle oder Blaues Schnee­glöck­chen. Letz­te­rer Name weist auf die Fähig­keit hin, die zar­ten Blü­ten­stän­gel mit den blau­lila Blü­ten noch durch die Schnee­de­cke ans Licht zu schie­ben.

Die immer­grüne, krau­tige Pflanze wird 5 – 15 cm groß. Die grund­stän­di­gen Laub­blät­ter sind led­rig und dick­lich. Sie sind nie­ren­för­mig bis rund­lich und wer­den im Durch­mes­ser ca. 3 cm breit.
Die Blü­te­zeit reicht je nach Stand­ort von April bis Juni. Zwei oder oft auch drei Blü­ten ste­hen in auf­rech­ten, blatt­lo­sen Blü­ten­stän­den zusam­men. Die Ein­zel­blüte ist tief ein­ge­schlitzt. Die Fran­sen des Kron­sau­mes sind annä­hernd gleich lang. Die Bestäu­bung erfolgt durch Hum­meln, Schmet­ter­linge und andere Insek­ten. Auch Selbst­be­stäu­bung ist mög­lich.

Die Alpen-Trod­del­blume kommt schwer­punkt­mä­ßig in den Alpen vor. Sie steht gern auf Kalk und steigt von Tal­la­gen bis auf 3000 m empor. Im Bota­ni­schen Gar­ten wach­sen die Pflan­zen im Alpen-Quar­tier ent­lang des Bach­laufs. Auch hier ist ihr natür­li­ches Vor­kom­men in Schnee­täl­chen nach­ge­bil­det. Sie besie­delt am natür­li­chen Stand­ort ver­sumpfte Stel­len in alpi­nen Rasen oder Stel­len, wo Hang­druck­was­ser aus­tritt. Sie benö­tigt wenigs­tens basen­rei­chen, feucht-nas­sen, humus­rei­chen, stei­ni­gen, meist schnee­be­deck­ten Boden. Sie bil­det an ihren Stand­or­ten meist indi­vi­du­en­rei­che Bestände.

Im Quar­tier Bach- und Ufer­ve­ge­ta­tion kann der Besu­cher die Berg-Trod­del­blume (Sol­d­anella mon­tana Willd.) und im Alpen-Quar­tier auf Urge­stein (Schel­l­er­hauer Gra­nit) die Kar­pa­ten-Trod­del­blume (Sol­d­anella car­pa­tica Vierh.) betrach­ten.

Juni 2019: Tibet-Schein­mohn Mecon­op­sis beto­ni­ci­fo­lia Franch.

Tibet-Scheinmohn
Tibet-Schein­mohn

Aus der Fami­lie der Mohn­ge­wächse. Er wird auch Blauer Mohn genannt, da die Blü­ten, die ein­zeln oder in trau­bi­gen, ris­pi­gen Blü­ten­stän­den ste­hen, eine leuch­tend him­mel­blaue Farbe haben. Die Blü­ten­knos­pen hän­gen leicht über, die oberste öff­net sich zuerst.

Zur Haupt­blü­te­zeit im Juni beein­dru­cken die rela­tiv gro­ßen, zwitt­ri­gen und radi­är­sym­me­tri­schen scha­len­för­mi­gen Blü­ten wegen der vie­len freien Staub­blät­ter, die zen­tri­pe­tal aus­ge­bil­det sind. Drei oder mehr Frucht­blät­ter sind zu einem ober­stän­di­gen, ein­kam­me­ri­gen Frucht­kno­ten ver­wach­sen. Auf dem Frucht­kno­ten befin­den sich ebenso viele freie Grif­fel wie Frucht­blät­ter, die Grif­fel sind kurz bis kaum erkenn­bar und enden in kop­fi­gen bis keu­len­för­mi­gen Nar­ben.
Die Blü­ten wer­den von Insek­ten bestäubt (Bie­nen­weide).

Die Früchte sind die für Mohn­ge­wächse typi­schen flau­mig bis bors­tig behaar­ten Kap­sel­früchte. Sie sind schmal eiför­mig, und ent­hal­ten viele Samen.

Die Pflanze wird zwi­schen 80 – 120 cm hoch und zwi­schen 40 – 50 cm breit. Sie bil­det als Wur­zel ein Rhi­zom. Blät­ter und Stiele sind bors­tig behaart. Die Blät­ter sit­zen grund­stän­dig, hors­tig. Sie sind lan­zett­lich, rauh und matt. Der Blatt­rand ist gesägt.

Die anspruchs­volle Staude liebt einen fri­schen, durch­läs­si­gen und humus­ar­men Boden. Stand­orte auf sau­ren, kalk­freien Böden im Halb­schat­ten auf Stein­an­la­gen oder am Gehölz­rand sind opti­mal.

Die Art ist in Süd-Tibet, Nord-Yunnan und Nord­west-Myan­mar behei­ma­tet.
Im Bota­ni­schen Gar­ten in Schel­l­er­hau steht sie im Asien-Quar­tier und reckt ihre leuch­tend blauen Blü­ten­scha­len zwi­schen Ligu­la­rien empor.

Juli 2019: Groß­köp­fige Flo­cken­blume Cen­tau­rea macro­ce­phala Muss. Puschk. ex Willd.

Großköpfige Flockenblume
Groß­köp­fige Flo­cken­blume

Aus der Gat­tung Cen­tau­rea. Damit gehört sie zur Fami­lie der Astern­ar­ti­gen (Aster­aceae). Zur Blü­te­zeit rich­ten sich die Bli­cke der Besu­cher auf die faust­gro­ßen und leuch­tend­gel­ben Blü­ten samt den brau­nen, geschlitz­ten Hüll­schup­pen.

Die Gelbe Rie­sen-Flo­cken­blume ist eine aus­dau­ernde und krau­tige Pflanze, die Wuchs­hö­hen von 100 – 120 cm erreicht. Der Wuchs ist locker auf­recht. Das som­mer­grüne Blatt­werk ist breit­lan­zett­lich, matt und rauh. Die am Stän­gel sit­zen­den Blät­ter haben einen gewell­ten Balttrand.

Die gel­ben Blü­ten sit­zen am Ende des Stän­gels, sind ein­fach und röh­ren­för­mig. Die Knos­pen sehen durch die brau­nen und gefrans­ten Hüll­schup­pen einer Arti­scho­cke ähn­lich. Die Blü­ten, die sich im Juli/​August öff­nen, wer­den von Insek­ten bestäubt (Bie­nen­weide). Als Früchte wer­den Samen mit Pap­pus (Samen mit „Flug­schirm­chen“) aus­ge­bil­det.

Die ein­drucks­volle Groß­staude ent­wi­ckelt sich gut auf fri­schen, durch­läs­si­gen, nähr­stoff­rei­chen, leh­mig-san­di­gen Böden. Sie steht gut am Gehölz­rand, als Bie­ne­weide und auf Frei­flä­chen und kann sogar als Schnitt­blume ver­wen­det wer­den.

Behei­ma­tet ist die Groß­köp­fige Flo­cken­blume im Kau­ka­sus. Im Bota­ni­schen Gar­ten steht sie im Kau­ka­sus-Quar­tier rechts der zum Haus hoch füh­ren­den Treppe.

Blüte der Großköpfigen Flockenblume
Blüte der Groß­köp­fi­gen Flo­cken­blume
Großköpfige Flockenblume
Groß­köp­fige Flo­cken­blume

August 2019: Schwal­ben­wurz-Enzian (Gen­tiana asclepia­dea L.)

Schwalbenwurz-Enzian
Schwal­ben­wurz-Enzian

Aus der Fami­lie der Enzian­ge­wächse (Gen­ti­a­na­ceae), der in allen Quar­tie­ren des Bota­ni­schen Gar­tens üppig wächst. Je nach Wit­te­rung öff­nen sich die dun­kel-azur­blauen Blü­ten in der zwei­ten August­wo­che und blü­hen dann in gro­ßer Fülle bis in den Sep­tem­ber hin­ein.

Der Schwal­ben­wurz-Enzian kommt in den Gebir­gen Mit­tel­eu­ro­pas, süd­lich bis Mit­tel­ita­lien, Mit­tel­grie­chen­land, in der NW-Ukraine, Vor­der­asien und in den Alpen bis 2200 m Höhe vor. Stand­orte sind prae­al­pine Moor­wie­sen, supal­pine Berg­misch­wäl­der, Wald­rän­der und Hoch­stau­den­ge­bü­sche.

Die mehr­jäh­rige, krau­tige Pflanze, die zwi­schen 30 – 100 cm hoch wer­den kann, wird im Volks­mund wegen der kreuz­ge­gen­stän­di­gen Blät­ter auch Blaue Kreuz­wurz oder Hirsch­brunft-Enzian wegen der spä­ten Blü­te­zeit genannt.

Die Blü­ten sind ca. 35 – 50 mm groß und sit­zen bis zu dritt in den obe­ren Blatt­ach­seln. Der röh­rige und häu­tige Kelch zeigt 5 sehr kurze und schmale Zip­fel. Die eng-glo­cken­för­mige Krone ist außen dun­kel­blau gefärbt und innen rot­vio­lett punk­tiert mit meist hell­blauen Längs­strei­fen. Wegen der spä­ten Blü­te­zeit spielt bei die­ser Art die Selbst­be­stäu­bung eine große Rolle, wobei sich die Nar­ben­zun­gen soweit zurück­rol­len, dass sie mit den unte­ren Staub­beu­teln in Kon­takt kom­men.

Die Pflanze liebt frisch-wech­sel­feuchte, mäßig nähr­stoff­rei­che, basen­rei­che und auch kalk­hal­tig-humose Lehm- und Ton­bö­den.

In Kul­tur bevor­zugt sie lichte bis halb­schat­tige Stand­orte mit feucht­hu­mo­sem, kräf­ti­gem Boden. Sie wächst aber auch an stei­ni­gen Hän­gen. Die Ver­meh­rung erfolgt über Samen. Die Säm­linge wer­den in lange Töpfe pikiert und nach der Durch­wur­ze­lung mit dem Bal­len aus­ge­setzt.

Der Schwal­ben­wurz-Enzian ist eine alte Heil­pflanze. Die Wur­zel ent­hält wie alle Enziane bit­tere Gly­ko­side, die in der Volks­heil­kunde gegen Toll­wut und bei Hun­de­bis­sen (Bitz­wur­zen), in der Tier­heil­kunde als Mit­tel gegen Klau­en­er­kran­kun­gen (Klo­awurz) ver­wen­det wur­den.

Schwalbenwurz-Enzian
Schwal­ben­wurz-Enzian
Weißer Enzian
Wei­ßer Enzian

Sep­tem­ber 2019: Keu­len-Bär­lapp (Lyco­po­dium cla­va­tum L.)

Keulen-Bärlapp
Keu­len-Bär­lapp

Aus der Fami­lie der Bär­lapp­ge­wächse (Lyco­po­diaceae). Lyco­po­dium cla­va­tum gehört zu den Gefäß­spo­ren­pflan­zen oder farn­ar­ti­gen Pflan­zen. Sie ist in Mit­tel- und Nord­eu­ropa, Russ­land, Asien und Ame­rika behei­ma­tet und kommt auf kalk­freien Böden auf Mager­ra­sen, Hei­den und in Nadel­wäl­dern vor.

Die gif­tige, aus­dau­ernde Pflanze bil­det einen am Boden krie­chen­den Spross, der zwi­schen 0,5 bis 4 m lang wer­den kann. Auf­recht ste­hende Sei­ten­äst­chen errei­chen eine Höhe von bis zu 30 cm. Die nade­li­gen Blätt­chen sind gelb­lich-grün und enden in einer bis zu 3 mm lan­gen, wei­ßen und auf­wärts gekrümm­ten Haar­spitze. Dadurch erscheint die Pflanze pel­zig. Die Pflanze bil­det nur wenig Wur­zeln aus.

Ende Juli bil­den sich am Ende der auf­rech­ten Äste gelbe Ähren, die Spo­ro­phyll­stände oder Spo­ran­gi­e­näh­ren. Sie sind aus spe­zia­li­sier­ten Blätt­chen auf­ge­baut, in deren Ach­seln die Spo­ren­be­häl­ter sit­zen. Erst nach 10 – 15 Jah­ren wer­den die Pflan­zen geschlechts­reif. Die Spo­ren wer­den als schwe­fel­gel­bes Pul­ver aus­ge­streut. Sie kei­men wie­derum erst nach 6 – 7 Jah­ren und bil­den einen klei­nen Vor­keim. Die­ser trägt weib­li­che und männ­li­che Keim­zel­len, die sich gegen­sei­tig befruch­ten. Dar­aus bil­det sich dann die Bär­lapp-Pflanze (Genera­ti­ons­wech­sel).

In der Homöo­pa­thie wird Lyco­po­dium bei der Behand­lung von Leber, Galle, Milz, Magen, Darm und den Harn­or­ga­nen ein­ge­setzt. Frü­her wurde das Spo­ren­mehl auch bei kul­ti­schen Hand­lun­gen ver­wen­det. Blies man die Spo­ren gegen eine Flamme, ent­stan­den beein­dru­ckende Feu­er­bälle. Des­halb fin­det das Pul­ver auch heute noch in der Thea­ter- und Pyro­tech­nik Gebrauch.

In Deutsch­land ist das Vor­kom­men des Keu­len-Bär­lapps stark rück­läu­fig. Des­halb steht er auf der Roten Liste Deutsch­lands.

Okto­ber 2019: Weiß­früch­tige Eber­esche Sor­bus koeh­neana C.K. Schneid.

Weißfrüchtige Eberesche
Weiß­früch­tige Eber­esche

Aus der Fami­lie der Rosen­ar­ti­gen (Rosaceae). Die­ser Groß­strauch fällt im Asien-Quar­tier im Herbst mit sei­nen wei­ßen Früch­ten vor dun­kel­rot-wein­ro­tem Laub auf.

Der Wuchs ist auf­recht buschig. Es wer­den Wuchs­hö­hen zwi­schen 2 bis 4 m erreicht und der Strauch kann bis 2 m breit wer­den. Im Alter kön­nen die Zweige auch etwas über­hän­gen.
Die Blät­ter der Weiß­früch­ti­gen Eber­esche sind unpaa­rig und wech­sel­stän­dig und gegen­über der hei­mi­schen Art (Vogel­beer­baum) zier­li­cher. Das Fie­der­blatt ist ins­ge­samt klei­ner und setzt sich aus einer grö­ße­ren Anzahl von Fie­der­blätt­chen zusam­men. Das Ein­zel­blätt­chen ist ellip­tisch, von frisch­grü­ner Farbe und der Blatt­rand ist grob gesägt. Zum Herbst ver­färbt sich das Laub bron­zerot.

Creme­weiße Blü­ten­dol­den zie­ren von Mai bis Juni den Groß­strauch. Im Herbst wer­den weiße, per­lig glän­zende Früchte gebil­det, die die deko­ra­tive Wir­kung die­ser Pflanze noch erhö­hen.

Die Art bevor­zugt einen son­ni­gen bis abson­ni­gen Stand­ort, ver­trägt aber auch Halb­schat­ten. Mit einer Tem­pe­ra­tur­härte bis -29º C ist sie auch im Obe­ren Osterz­ge­birge gut frost­hart.

Das Gehölz bevor­zugt fri­sche bis feuchte, leicht saure und lockere nähr­stoff­rei­che Humus­bö­den, wächst aber auch auf san­di­gen und stei­ni­gen Lehm­bö­den.