Der Klaf­fende Eisen­hut – eine Erhal­tungs­kul­tur im Bota­ni­schen Garten

Für das För­der­mit­tel­pro­jekt „Auf­bau einer Erhal­tungs­kul­tur für den klaf­fen­den Eisen­hut (Aco­ni­tum pli­ca­tum) im Bota­ni­schen Gar­ten Schel­ler­hau“ kann ein posi­ti­ves Resü­mee gezo­gen werden.
Ziel des Vor­ha­bens war die Ent­nahme des Klaf­fen­den Eisen­huts (Aco­ni­tum pli­ca­tum, TOP50-Liste (https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/44372.htm)) im Quell­be­reich des Klin­ger­bachs im Vor­kom­mens­ge­biet süd­öst­lich vom Ort Tel­l­er­häu­ser am Fich­tel­berg. Sie gilt als indi­gene Art, deren Ent­ste­hung und Aus­brei­tung auf natür­li­che, vom Men­schen unbe­ein­flusste Weise erfolgte.
Die Art wächst als eine aus­dau­ernde, krau­tige Pflanze. Sie hat eine nicht kuge­lige Rübe als Über­dau­erungs- und Spei­cher­or­gan. Der Stän­gel ist auf­recht, die Stän­gel­blät­ter wei­sen unter­seits eine undeut­lich netz­ar­tige Ner­vatur auf. Die Blü­te­zeit erstreckt sich von Juli-Sep­tem­ber, die blauen Blü­ten sind zwittrig.
Die Art besie­delt Hoch­stau­den­flu­ren, Quell­flu­ren und Schlucht­wäl­der. Der Stand­ort Tel­l­er­häu­ser wird als quel­lig beschrie­ben, wo es schat­tig und kühl ist und es eine hohe Luft­feuch­tig­keit gibt. Hier wur­zelt er flach.
Forst­li­che Maß­nah­men zur Beräu­mung von Schad­holz mach­ten die Ent­nahme von Eisen­hut-Pflan­zen in einer benö­tig­ten Rück­e­gasse erfor­der­lich. Die Pflan­zen wur­den Ende August 2019 in Abstim­mung mit dem Staats­be­trieb Sach­sen­forst und in enger Zusam­men­ar­beit mit dem LfULG aus­ge­gra­ben, nach Schel­ler­hau über­führt und im Bota­ni­schen Gar­ten als ex situ-Kul­tur auf­ge­nom­men und kul­ti­viert wor­den. Der Gar­ten im Obe­ren Osterz­ge­birge wurde aus­ge­wählt, weil die Lage Schel­l­er­haus mit einer Jah­res­mit­tel­tem­pe­ra­tur von 5° C der von Ober­wie­sen­thal mit 3–5° C sehr nahe kommt.
Die Erhal­tungs­kul­tur im Bota­ni­schen Gar­ten Schel­ler­hau bil­dete auch 2022 einen sta­bi­len Bestand an sei­nen bei­den Stand­or­ten im Gar­ten. Im Bereich ent­lang des Bach­laufs im Pflan­zen­quar­tier „Fich­ten­berg­wald“ ent­wi­ckel­ten sich 22 Indi­vi­duen und am wald­sei­ti­gen Ufer des obe­ren Tei­ches 23 Individuen.
Damit kam eine Pflanze nicht mehr und ins­ge­samt ver­rin­gerte sich gegen­über 2021 die Anzahl der Triebe um 14 bei den kräf­ti­gen Exem­pla­ren. Zwei Indi­vi­duen hat­ten in die­sem Jahr jeweils einen 2. Trieb aus­ge­bil­det. Trotz die­ser Schwan­kun­gen sind beide Stand­orte für diese Art optimal.
Da genü­gend Feuch­tig­keit durch den Bach­lauf bzw. den Teich im Boden ist und ent­spre­chende Pfle­ge­maß­nah­men die Ver­näs­sung auch garan­tie­ren, haben die sehr hei­ßen und tro­cke­nen Wochen in die­sem Som­mer den Pflan­zen nicht gescha­det. Aller­dings wur­den die Pflan­zen nicht so hoch und es gab weni­ger Blü­ten und Samenkapseln.
Anfang Juli setz­ten 10 Indi­vi­duen Knos­pen und blüh­ten von Mitte Juli bis Ende August. Die Samen­kap­seln öff­ne­ten sich Ende Sep­tem­ber. Wie auch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wurde nach Abspra­che mit dem LfULG kein Samen gesam­melt. Er ist an Ort und Stelle aus­ge­fal­len bzw. wurde ausgestreut.
Wir muss­ten aber fest­stel­len, dass es gene­rell viel tau­bes Saat­gut in die­sem Jahr gibt. Die Nähr­stoff­be­reit­stel­lung für die Aus­bil­dung der Samen stellt hohe Anfor­de­run­gen an die Pro­duk­ti­vi­tät der Mut­ter­pflanze. Bei nicht opti­ma­ler Ver­sor­gung der Mut­ter­pflanze mit Was­ser, Nähr­stof­fen und Licht kön­nen sich die Samen und Früchte nicht opti­mal ent­wi­ckeln. Hier kön­nen wir nur mut­ma­ßen, was die Ursa­chen sind.
Seit Herbst 2020 wird im Bota­ni­schen Gar­ten aus ver­schie­de­nen Grün­den mit Trink­was­ser gegos­sen. Im Bach­lauf wird eben­falls Trink­was­ser gepumpt. Ende Juni hat­ten wir die Chance, das Gieß­was­ser (Trink­was­ser) in einem Labor in Mitt­weida ana­ly­sie­ren zu las­sen. Das Ana­ly­se­pro­to­koll zeigt einen ph-Wert von 7,62. Ein pH-Wert von 6 gilt als opti­mal. Gene­rell ist aber der pH-Wert nicht für die Beur­tei­lung der Gieß­was­ser­qua­li­tät geeignet.
Die gemes­sene Was­ser­härte von 7,3 kann durch Hydro­gen­kar­bo­nate, Sul­fate, Nitrate, Chlo­ride und andere beein­flusst wer­den. Die Werte für Eisen, Nitrat, Leit­fä­hig­keit und Nitrit lie­gen laut Ana­lyse weit unter den Grenz­wer­ten ent­spre­chend laut Trink­was­ser­ver­ord­nung (TVO).
Viel­leicht hat Aco­ni­tum pli­ca­tum einen spe­zi­el­len Nähr­stoff­be­darf, der nicht gedeckt war und eine mög­li­che Ursa­che sein könnte.
Für alle Pflan­zen im Bota­ni­schen Gar­ten bedeu­te­ten die letz­ten tro­cke­nen Jahre trotz Bewäs­se­rung viel Stress (ver­än­derte kli­ma­ti­sche Fak­to­ren mit Hitze- und Tro­cken­pe­ri­oden), der sich auf das Pflan­zen­wachs­tum und die Samen­aus­bil­dung und –reife aus­ge­wirkt hat.
Ab Ende August fie­len viele Nie­der­schläge. Da die Pflan­zen z.T. schwer abtrock­ne­ten, die Luft­feuch­tig­keit auch an man­chen Tagen hoch war, wurde Aco­ni­tum pli­ca­tum regel­mä­ßig und gründ­lich auf Mehl­tau und Schäd­lings­be­fall kon­trol­liert. Diese Art war aber wäh­rend der gesam­ten Vege­ta­ti­ons­pe­ri­ode nicht betrof­fen. Aco­ni­tum pli­ca­tum scheint resis­tent gegen Schäd­lings­krank­hei­ten zu sein, denn wäh­rend der gesam­ten Pro­jekt­lauf­zeit muss­ten nie Pflan­zen­schutz­mit­tel ein­ge­setzt werden. 

Fol­gende Pfle­ge­maß­nah­men wur­den wäh­rend der Sai­son aus­ge­führt: Nach dem Win­ter wurde im Früh­jahr das Bach­bett von Laub und Nadel­streu gesäu­bert. Der Bach­lauf wurde ab Ende April wie­der in Betrieb genom­men. Damit wur­den die Rand­be­rei­che wie­der nach der Schnee­schmelze durch den Bach­lauf ver­nässt. Beson­ders nach star­ken Regen­fäl­len oder star­ken Win­den muss­ten Äste abge­sam­melt und ab Sep­tem­ber Laub und Nadel­streu ent­fernt werden.