Rettung für den Karpatenenzian
06.07.2010
Wiederansiedelung des Karpatenenzians auf Flächen am Geisingberg
Der Förderverein für die Natur des Osterzgebirges startete am 18. Mai 2010 gemeinsam mit seinen Projektpartnern von der Philipps–Universität Marburg ein Projekt zum Erhalt und zur Wiederansiedlung des Karpatenenzians(Gentianella lutescens). Der Karpatenenzian hat hier bei uns am Geisingberg sein nördlichstes Verbreitungsvorkommen. Trotz engagierter Betreuung, Pflege und Beobachtung wurden in den vergangenen Jahren starke Bestandsschwankungen festgestellt. Obwohl der Karpatenenzian entsprechend früherer Erfassungen (z. B. Apitzsch) auf vielen Flächen am Geisingberg nachgewiesen werden konnte, kommt diese FFH-Anhang-II-Art heute nur noch auf einem einzig bekannten Standort am Geisingberg vor und ist in ihrem Bestand stark gefährdet.
Für dieses Wiederansiedlungsprojekt, gefördert mit Mitteln aus der Förderrichtlinie Natürliches Erbe des Freistaates Sachsen (NE/2007), wurden aus einheimischen Samen von der Fläche am Geisingberg Erhaltungskulturen (Ex situ) im Botanischen Garten in Marburg gezogen. Der daraus vermehrte Samen kam nun auf dafür vorbereiteten Versuchsflächen am Herkunftsstandort (In situ) zur Aussaat. Für die nachfolgende Anwendung auf größeren Flächen ist es wichtig zu wissen, welche optimalen Anforderungen und Bedingungen der Samen für einen hohen Keimerfolg neben der Wasser- und Nährstoffversorgung auch an die Bodenverhältnisse stellt. Die verschiedenen Flächen wurden deshalb durch Harken, Grubbern oder Vertikutieren unterschiedlich darauf vorbereitet.
Nachdem die mikroskopisch kleinen Samen mühselig ausgezählt waren, konnte das Ausbringen erfolgen. Als Sicherheit erfolgte zeitgleich die Anlage einer weiteren Erhaltungskultur im Botanischen Garten in Schellerhau. Dazu kamen die Samen in dafür vorgesehenen Pflanztöpfe an einen Standort, der ähnliche klimatische Verhältnisse aufweist wie der Wiederansiedlungsort am Geisingberg.
Wir hoffen jedenfalls, dass dieser erste Keimversuch auf den Standorten erfolgreich verläuft. Noch ist sehr schwer zu erkennen, ob es sich bei den Winzlingen, die sich nach etwa drei Wochen Keimzeit zeigen, um Keimblätter des Karpatenenzians handelt. Wenn ja, würden wir uns gemeinsam mit unseren Partner, Dr. Brunzel und Dr. Sommer aus Marburg freuen, dass sich die Bemühungen nach dem langen Förderantragsmarathon und den widrigen Witterungsbedingungen im Frühjahr doch noch gelohnt haben, um das Aussterben des regional potenziell gefährdeten Karpatenenzians zu verhindern.
(Holger Menzer, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins für die Natur des Osterzgebirges, 17. 06. 2010)







